Die „Marlinger Siedlung“, besser bekannt als Luis-Zuegg-Areal, gehört zu den zukunftsweisenden Stadtvierteln von Meran. Es verbindet attraktiven Wohnraum mit einer lebendigen Wirtschaftsstruktur. Besonders hervorzuheben ist der flächenmäßig größte Spielplatz der Stadt, der nicht nur umfassend saniert wird, sondern auch einen eigenen Namen erhalten soll.
von Philipp Genetti
Zusammen mit den Arealen von Torggler und Ex-Cafa bietet das Gebiet ein großes Entwicklungspotential. Das Viertel liegt an der spannenden Schnittstelle zwischen Gestern und Morgen. Die Geschichte um den Standort südlich der Passermündung in die Etsch beginnt Anfang der 1970er Jahre. Damals erwarb der bekannte Meraner Bauunternehmer und Geometer Guido Bortolotti einen beträchtlichen Teil der dortigen Obstwiesen. Mit Unterstützung der Stadtgemeinde Meran gelang es ihm, darauf einige Wohnhäuser zu errichten und das Gebiet erstmals als Lebensraum zu erschließen. Noch heute wird Bortolotti daher von den italienischsprachigen Bewohnern des Viertels als „padre edilizio“ bezeichnet. Mit der Erschließung dieser ersten Wohnsiedlung veränderte sich das Landschaftsbild schlagartig, so dass die Stadtverwaltung in den folgenden Jahren weitere städtebauliche Maßnahmen zur Aufwertung des Gebietes einleitete.
Von der Bortolotti-Siedlung zur Gewerbezone Passer
Auch wenn auf dem Gelände der heutigen Traditionsgärtnerei Wielander bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gärtnerei bestanden haben soll, entwickelte sich der wesentliche Teil der heutigen Gewerbezone „Passer“, früher noch „Marlengo“, erst nach der Fertigstellung der oben genannten Bortolotti-Siedlungen. Der erste bedeutende Betrieb, der den Standort für sich entdeckte, war der von Fabio Genetti. In der Folgezeit wuchs das Interesse weiterer Gewerbetreibender sich in diesem Gebiet niederzulassen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete schließlich die Stadtgemeinde mit der Umwidmung des Grenzgebietes zur damaligen Kaserne „Bosin“, die bis Anfang der 1990er Jahre bestand. Der erste Nutzungsvertrag für die neue Gewerbezone Passer wurde am 28. April 1978 unterzeichnet. Damit schlossen sich die Unternehmer Hermann Zanier (Ingenieur), Adele Andretta (Unternehmerin), Olivio Ferro und Emilio Pol (Tischler), Secondo und Gino Tassinari (Tapezierer), Edmondo Finanzi (Drucker), Carmelo Furlan (Lebensmittel en gros) und Guido Bortolotti (Geometer) zum sogenannten „consorzio delle cooperative agricole“ zusammen. Nun galt es, das Gebiet auch verkehrstechnisch zu erschließen. Zufahrtsstraßen wurden gebaut und die notwendigen Infrastrukturen geschaffen. Seitdem haben immer mehr Betriebe das Gewerbegebiet für sich entdeckt, und spätestens seit dem Bau einer Zufahrtsstraße zur MeBo ist das Gebiet optimal an das regionale Verkehrsnetz angebunden.
Die Zone zwischen heute und morgen
Heute ist die Zone als belebtes Wirtschafts- und Wohngebiet, das wegen seines großzügigen Spielplatzes besonders bei Familien beliebt ist. Während vielen Meranern der Spielplatz als Wielander-Spielplatz oder „Parco Marlengo“ bekannt ist, wird die Anlage von der Stadtgemeinde seit jeher als „Zuegg-Park“ bezeichnet, ein Thema mit dem sich das Stadtviertelkomitee der „Marlinger Siedlung“ schon seit einigen Jahren beschäftigt. Neben den Vorschlägen von Persönlichkeiten wie Ciondolo Bucci, Giancarlo Micheli oder Bortolotti sind inzwischen auch weitere Vorschläge eingegangen, wie Stadtviertelpräsident Danielo Vacca berichtet. Nachdem die Namensgebung in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten war, will man das Thema mit der geplanten Sanierung des Spielplatzes, dem Bau einer Bocciabahn sowie der Erneuerung der Sport- und Spielanlagen wieder aufgreifen. Das erste Baulos zur Sanierung des gesamten Spielplatzes soll nach Angaben der Gemeindeverwaltung noch in diesem Jahr realisiert werden. Mit der Wiedereröffnung des sanierten Spielplatzes in den nächsten Jahren möchte man definitiv einen passenden Namen für das Areal finden – einen, der dann hoffentlich sowohl die deutsch- als auch die italienischsprachige Bevölkerung berücksichtigt.
Großprojekt Torgglerareal
Als Lebensraum der Zukunft gilt hingegen das weitgehend leerstehende Areal des renommierten Südtiroler Chemieunternehmens Torggler. Hier hegt die Stadtgemeinde Meran gemeinsam mit dem Großbetrieb das Interesse, das Gebiet im Zuge eines Entwicklungskonzeptes in ein attraktives Wohn- bzw. Mischgebiet mit einer kompletten Umgestaltung der örtlichen Infrastruktur umzuwandeln. Gleichzeitig könnte der schmale Verbindungsweg zwischen Bahnübergang und Wolkensteinstraße saniert, verbreitert und als Fahrradweg ausgebaut werden, der sogar für Einsatzfahrzeuge dienen könnte.
Vizebürgermeisterin Katharina Zeller betonte im Gespräch: „Das Torgglerareal bietet großes Potenzial für die Stadtentwicklung mit sich, insbesondere für leistbares Wohnen, das nicht nur heute, sondern auch in naher Zukunft eines der wichtigsten Themen für die Stadt Meran bleiben wird.“ Darüber hinaus ergäben sich neue Möglichkeiten in der Schaffung von Freiräumen und Wirtschaftsflächen sowie der Verwirklichung wichtiger Infrastruktureinrichtungen, wie insbesondere der dringend notwendigten Turnhalle für die Meraner Sportvereine. Auch bei der Gestaltung des ehemaligen Cafa-Areals unterhalb der Marlinger Brücke, will die Stadt Meran endlich zu einer Lösung kommen. Über die Vorgaben für die Gestaltung des Areals ist sich die Politik aber noch nicht einig. „Die Entscheidungen über die Entwicklungskonzepte für das Torggler- und Cafa-Areal hängen zusammen, da es sich bei beiden um große Privatflächen handelt, die städtebaulich durchdacht geplant werden müssen. Als SVP setzen wir uns für eine klare Vision ein, die Wachstum mit den Bedürfnissen der Stadt in Einklang bringt. Die Auswirkungen solcher Großprojekte auf die Infrastruktur, Verkehr und Lebensqualität müssen genau geprüft werden. Neue Wohn- und Dienstleistungsflächen dürfen nicht isoliert entstehen, sondern müssen mit Schulen, Kindergärten und sozialen Treffpunkten vernetzt und nachhaltig geplant werden. Denn eine funktionierende Stadt braucht ausreichend Bildungs-, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Oberstes Ziel ist es daher Meran auch langfristig attraktiv, lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten“, so Zeller. Dazu gehöre auch die Schaffung von hochwertigen Grün- und Erholungsräumen.Für das Cafa Areal wurde von den Eigentümern bereits ein Antrag auf Umwidmung in eine Neugestaltungszone gestellt und es ist davon auszugehen, dass auch für das Torggler-Areal in Kürze die Einleitung eines Neugestaltungsverfahrens beantragt wird. Damit wäre der Startschuss für die Entwicklung dieser seit Jahren brachliegenden Areale gegeben.
27. Januar: Tag des Gedenkens
Im Hinblick auf den 80. Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ist es wichtig, sich an die Mahnmale in Südtirol zu erinnern. In Meran gehören dazu die Stolpersteine, die seit über 10 Jahren an ehemalige NS-Opfer erinnern. Die Initiative geht auf das Kunstprojekt von Gunter Demnig zurück, das seit 1996 Stolpersteine in vielen Orten verlegt. Von den 33 Stolpersteinen in Meran sind die meisten jüdischen Bewohnern gewidmet, die im September 1943 deportiert wurden. Am 16. September 1943 verhafteten SS-Truppen und der Südtiroler Ordnungsdienst 25 Personen und sperrten sie im Keller des Ballila-Hauses (heute Otto-Huber-Straße 36) ein. Anschließend wurden sie ins Lager Reichenau bei Innsbruck gebracht, der Beginn der Judendeportation in Italien. Sechs Monate später kamen die Überlebenden nach Auschwitz, wo nur Valeska von Hofmann den Holocaust überlebte.
Das Mahnmal in der Luis Zuegg-Straße
Ein weiteres Mahnmal des Faschismus befindet sich nahe der Albertina-Brogliati-Straße. 1938/39 entstand hier die „Venosta“-Kaserne, später nach Leone Bosin benannt. Zwischen 1943 und 1945 nutzte die Wehrmacht sie als Lager für beschlagnahmtes Material und als Satellitenlager des Bozner Durchgangslagers. Hier waren vor allem Frauen und Männer verschiedener Herkunft inhaftiert, die wegen politischer Aktivitäten oder als Partisanen festgenommen wurden. Die Straße erinnert an Albertina Brogliati und Ernesta Sogego, die Weihnachten 1944 mit Hilfe Meraner Bürger flohen. Um die Erinnerung an die Vergangenheit zu bewahren, organisiert die Stadt Meran jährlich Gedenkinitiativen. Vizebürgermeisterin Zeller betonte: „Die Erinnerung fordert uns auf, die Geschichte nicht zu vergessen, um sicherzustellen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen.“